Blastozystentransfer in der IVF-Behandlung
Die moderne Reproduktionsmedizin hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Eine der wichtigsten Entwicklungen ist der Blastozystentransfer – also der Transfer eines Embryos im sogenannten Blastozystenstadium (Tag 5 der Entwicklung).
Was ist eine Blastozyste?
Eine Blastozyste ist ein Embryo, der sich etwa fünf Tage nach der Befruchtung entwickelt hat. Nach der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt sich der Embryo zu teilen:
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Tag 1: Befruchtung
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Tag 2–3: 4–8 Zellstadium
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Tag 4: Morula (Zellhaufen)
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Tag 5: Blastozyste
Im Blastozystenstadium besteht der Embryo aus etwa 100–200 Zellen und hat eine klare Struktur:
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Innere Zellmasse (ICM): Daraus entwickelt sich später das Kind
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Trophektoderm: Bildet die Plazenta
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Blastozystenhöhle: Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum
Dieses Stadium entspricht dem natürlichen Zeitpunkt, an dem sich ein Embryo auch im Körper in der Gebärmutter einnisten würde.
Was ist ein Blastozystentransfer?
Beim Blastozystentransfer wird der Embryo nicht am 2. oder 3. Tag, sondern erst am 5. Tag nach der Befruchtung in die Gebärmutter eingesetzt.
Ziel ist es, den Embryo in einem Entwicklungsstadium zu übertragen, das näher an der natürlichen Einnistung liegt. Dadurch kann in vielen Fällen die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Implantation erhöht werden.
Der Transfer selbst ist ein kurzer, in der Regel schmerzfreier Eingriff, der ambulant durchgeführt wird.
Warum wird ein Blastozystentransfer durchgeführt?
Ein Blastozystentransfer kann verschiedene Vorteile haben:
1. Bessere Embryonenselektion
Nicht jeder befruchtete Embryo entwickelt sich bis zum Blastozystenstadium. Durch das Abwarten bis Tag 5 können Embryonen ausgewählt werden, die ein gutes Entwicklungspotenzial zeigen.
2. Höhere Implantationsrate
Da die Blastozyste dem natürlichen Einnistungszeitpunkt entspricht, kann die Synchronisation mit der Gebärmutterschleimhaut günstiger sein.
3. Reduzierung von Mehrlingsschwangerschaften
Oft genügt der Transfer einer einzelnen Blastozyste (Single-Embryo-Transfer), was das Risiko von Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaften senken kann.
Blastozystentransfer vs. früher Embryotransfer (Tag 2–3)
| Merkmal | Tag 2–3 Transfer | Blastozystentransfer (Tag 5) |
|---|---|---|
| Entwicklungsstadium | Frühes Zellstadium | Ausgereifte Blastozyste |
| Embryonenselektion | Eingeschränkt | Besser möglich |
| Nähe zur natürlichen Einnistung | Geringer | Höher |
Welche Methode sinnvoll ist, hängt von individuellen Faktoren ab und sollte im persönlichen Gespräch mit einem Reproduktionsmediziner besprochen werden.
Für wen ist ein Blastozystentransfer geeignet?
Ein Blastozystentransfer kann insbesondere in folgenden Situationen in Betracht gezogen werden:
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Gute Anzahl befruchteter Eizellen
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Vorangegangene IVF-Versuche
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Wunsch nach Single-Embryo-Transfer
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Gute Embryoqualität
Ob diese Methode individuell geeignet ist, kann nur im Rahmen einer ärztlichen Beratung geklärt werden.
Wie hoch sind die Erfolgschancen beim Blastozystentransfer?
Die Erfolgschancen hängen von mehreren Faktoren ab:
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Alter der Frau
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Eizell- und Spermienqualität
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Hormonelle Situation
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Individuelle medizinische Vorgeschichte
In vielen Studien zeigt sich, dass der Blastozystentransfer im Vergleich zu einem frühen Transfer eine höhere Implantationsrate pro übertragenem Embryo erreichen kann. Dennoch garantiert auch diese Methode keine Schwangerschaft.
Gibt es Risiken beim Blastozystentransfer?
Der Transfer selbst ist in der Regel risikoarm. Zu beachten ist jedoch:
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Nicht alle Embryonen erreichen das Blastozystenstadium
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Bei geringer Embryoanzahl kann es sein, dass kein Transfer möglich ist
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Psychische Belastung während der Wartezeit
Eine ausführliche ärztliche Aufklärung ist vor jeder IVF-Behandlung unerlässlich.
Häufige Fragen zum Blastozystentransfer
Was ist der Unterschied zwischen Blastozyste und Embryo?
Eine Blastozyste ist ein Embryo im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium (Tag 5 nach der Befruchtung).
Ist ein Blastozystentransfer erfolgreicher?
Viele Studien zeigen eine höhere Implantationsrate pro transferierter Blastozyste im Vergleich zu einem früheren Embryotransfer. Der individuelle Erfolg hängt jedoch von mehreren Faktoren ab.
Wie viele Blastozysten werden übertragen?
In vielen Fällen wird eine einzelne Blastozyste übertragen (Single-Embryo-Transfer), um Mehrlingsschwangerschaften zu vermeiden.
Ist der Blastozystentransfer schmerzhaft?
Der Eingriff ist in der Regel nicht schmerzhaft und dauert nur wenige Minuten.
Wann nistet sich eine Blastozyste ein?
Nach dem Transfer kann die Einnistung innerhalb weniger Tage erfolgen, meist zwischen Tag 6 und 10 nach der Befruchtung.
Warum erreichen nicht alle Embryonen das Blastozystenstadium?
Die Entwicklung hängt von der genetischen und biologischen Qualität der Eizelle und des Spermiums ab.







